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Verantwortung – Wirkmächtigkeit – Ausbildung – Gefahr – Solidarität

Zur Rolle der Psychologie in gesellschaftlichen und politischen Diskursen

Am 26. und 27. März fand an der Psychologischen Hochschule in Berlin eine Tagung von über 80 vorwiegend wissenschaftlich arbeitenden Psycholog:innen in verschiedenen Karrierephasen und aus unterschiedlichen Teildisziplinen statt. Im Rahmen dieser Tagung haben wir intensiv und kontrovers über das Selbstverständnis und die Rolle der Psychologie in gesellschaftspolitischen Diskurs- und Entscheidungsprozessen gesprochen. Uns eint die Überzeugung, dass die Herausforderungen unserer Gesellschaft – auch angesichts zunehmender antidemokratischer und wissenschaftsfeindlicher Tendenzen – eine stärkere, sichtbarere und wirksamere Rolle von Psycholog:innen erfordern. Aus unseren Diskussionen ergeben sich folgende zentrale Erkenntnisse und Impulse.

1. Psychologinnen in Forschung und Praxis sowie die DGPs als Fachgesellschaft tragen Verantwortung für die „ ...Verbreitung und Anwendung der wissenschaftlichen Psychologie zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft“. (Satzung DGPs, §2). Die akademische Psychologie ist nicht nur eine erkenntnisgenerierende Wissenschaft. Psycholog:innen und die DGPs sind laut ihrem Selbstverständnis aufgefordert, eine aktive Rolle im Dialog mit Politik und Öffentlichkeit einzunehmen und zur Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen beizutragen.

2. Um die Wirkmächtigkeit der Psychologie zu erhöhen, sollten politische Planungs- und Entscheidungsprozesse systematischer und nachhaltiger über psychologische Evidenz informiert werden. Psychologische Expertise ist insbesondere in ratgebenden Expert:innengremien und politik-nahen Forschungsinstituten unterrepräsentiert. Die DGPs als Fachgesellschaft ist aufgerufen, sich aktiv dafür einzusetzen, dass Transferstrukturen ausgebaut und Psycholog:innen in professionelle Beratungsstrukturen besser eingebunden werden.

3. Im wissenschaftlichen Studium der Psychologie sollte ein stärkerer Fokus auf die Ausbildung von politischem Engagement und Kommunikationskompetenz gelegt werden. Das Studium der Psychologie ist in besonderem Maße auf Forschung ausgerichtet. Um Studierende mit diesem Wissen zu einem wirksamen gesellschaftspolitischen Engagement zu befähigen, sollten in stärkerem Maße ein Verständnis politischer Prozesse sowie soziale und kommunikative Kompetenzen in diskursiver Praxis vermittelt werden. Auch die Steigerung der Diversität von Studierenden ist ein wünschenswertes Ziel und könnte dazu einen Beitrag leisten. 

4. Anfeindungen gegen Wissenschaftler:innen und wissenschaftliche Institutionen stellen eine wachsende Gefahr für die Wissenschaftsfreiheit dar. Wissenschaftsfreiheit, Wahrheitsorientierung und Pluralismus sind unverzichtbare Voraussetzungen für Erkenntnisgewinn und müssen entschlossen verteidigt werden. Auch in Deutschland berichten Psycholog:innen bereits jetzt über verbale Angriffe und Drohungen. 

5. Wir ermutigen zu Solidarität und Zivilcourage im Umgang mit persönlichen Angriffen auf Kolleg:innen. Solidarität durch die Fachcommunity schützt gegen Wissenschaftsfeindlichkeit. Engagiertes Entgegentreten Vieler sowie der Aufbau von Unterstützungssystemen innerhalb der DGPs können einen wichtigen Beitrag zu einer solidarischen Fachcommunity leisten. Konkret bedeutet dies, sich umeinander zu kümmern, genau zuzuhören und in den Dialog zu treten, aber auch öffentlich gegen Anfeindungen aufzutreten.
Initiator:innen:
Prof. Dr. Andreas Beelmann, Friedrich-Schiller Universität Jena
Prof. Dr. Eva Walther, Universität Trier
Prof. Dr. Rainer Banse, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dr. Stefanie Hechler, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Peter Noack, Friedrich-Schiller Universität Jena
Prof. Dr. Tobias Rothmund, Friedrich-Schiller Universität Jena
Prof. Dr. Uli Wagner, Philipps-Universität Marburg
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